Wahnsinss-Urlaub

USA - Kalifornien  19.05.2017 - 29.05.2017

Lars Berlin
LARS REISEZIEL
Ich bin zurück aus dem besten Urlaub meines Lebens: 10 Tage Kalifornien. Von 2003 bis 2014 war ich ein richtiger Reise-Muffel, verbrachte meine freie Zeit lieber im Inland. 2015 ging es für mich nach Schweden, 2016 folgte Italien, nun also die USA. Mitreisende Wie bereits im vergangenen Jahr beim Italien-Trip begleitete mich wieder mein Kumpel Basti, mit dem ich seit knapp 25 Jahren befreundet bin. Im vergangenen Herbst fragte ich ihn, ob wir 2017 nach Kreta oder an die US-Westküste fliegen. Die Entscheidung fiel innerhalb von Sekunden auf die Vereinigten Staaten und so buchten wir im Dezember unsere Direktflüge mit Air Berlin. Schon bei der Italien-Reise fiel mir auf, dass Basti ein hervorragender Urlaubsorganisator ist. Wenn man mal nicht weiß, wo man hin muss – Basti weiß es! Den Großteil der 10 Tage verbrachten wir zusammen mit Harika – eine meiner besten Freundinnen, die seit März in Kalifornien lebt – und ihrem Freund Dhanush. Dazu später mehr. Flüge / Einreise Da ich nie zuvor mehr als 3 Stunden geflogen war, wusste ich nicht so recht, was mich auf einem 11-Stunden-Flug erwarten würde. Doch die Zeit verging sprichwörtlich wie im Flug. Das Essen und das Unterhaltungsprogramm waren weit besser als erwartet. Die Anreise war dennoch etwas holprig. Air Berlin buchte den Hinflug drei Wochen zuvor über Düsseldorf um, wodurch wir 6,5 Stunden später als geplant in den USA landeten. Auch auf der Fahrt zum Flughafen gab es Probleme. Wir mussten spontan eine alternative Route mit dem ÖPNV nehmen. Der Flug von Berlin nach Düsseldorf war dann so stark verspätet, dass wir fast den Anschlussflug verpasst hätten. Zum Glück sollten unter den knapp 270 Passagieren, die von Düsseldorf nach San Francisco fliegen wollten, 55 zuvor aus Berlin anreisen, sodass die Düsseldorfer auf uns warteten. Puh! Als die angezeigte Verspätung in Berlin von 60 auf 90 Minuten stieg, hatte ich mich schon damit abgefunden, dass wir wohl 1-2 Tage in Düsseldorf ausharren müssten. Gottseidank ist alles nochmal gut gegangen. Der ESTA-Antrag war eine Woche zuvor schnell ausgefüllt. Ich gab an, kein Terrorist zu sein, kein Spion, kein Selbstmordattentäter, nicht drogensüchtig, nie verhaftet worden zu sein usw. Der Sicherheitscheck ging zügig vonstatten. In Deutschland sowieso, aber auch in San Francisco. Schuhe ausziehen, Bodyscanner und die Abnahme der Fingerabdrücke waren neu für mich. Die Security war sogar zum Scherzen aufgelegt. Das Gespräch verlief etwa so: Security: „What’s your job?“ Basti: „I work for the German government.“ Security: „Which government?“ Basti: „Sorry?“ Security: „I mean: East or West?“ Auch der Rückflug war entspannt. Einzig die 20 Minuten vor der Landung waren schmerzhaft, da ich mich leicht erkältet hatte und der Druckausgleich am Trommelfell trotz Bonbons nicht so klappte wie vorgesehen. Auffällig war, dass Basti und ich auf dem 11-stündigen Rückflug so gut wie gar nicht miteinander redeten. Das lag allerdings nicht daran, dass wir die Nase voll voneinander hatten. Ich habe in den 11 Stunden auch nur 30 Minuten einen Film zu Ende geguckt, 15 Minuten gepokert und 15 Minuten Musik gehört. Die restlichen 10 Stunden war ich damit beschäftigt, all die wunderbaren Eindrücke der vorherigen 10 Tage zu verarbeiten. Auch die Umstellung auf die andere Zeitzone war jeweils kein großes Problem für mich. Unterkünfte Die ersten 4 Nächte verbrachten wir in San José bei Harika und Dhanush. Direkt im Silicon Valley. Dann ging es für 5 Nächte (die 10. Nacht verbrachten wir im Flugzeug) ins Coral Sands Motel in Hollywood, nachdem wir von San José nach LA geflogen waren. Es war ein 2-Sterne-Motelzimmer mit 2 Betten. Das war teuer genug (später mehr zu den Kosten). Mit dem Motel war ich hochzufrieden. Wenn ich mit einem Kumpel unterwegs bin, reicht mir ein 2-Sterne-Motel völlig aus. Ich brauche es zum Schlafen und Duschen, fertig. Pool und Jacuzzi gab es aber auch (unter Palmen) und natürlich auch eine Klimaanlage sowie einen Kühlschrank und Safe. Das Fenster war nach hinten raus. Lärmprobleme gab es nicht. Seltsam, dass das Motel lediglich 2 Sterne hat – 3,5 wären durchaus gerechtfertigt. Die Lage des Motels war perfekt. Einfach perfekt. Obwohl LA gigantisch ist (80 Kilometer von West nach Ost), war alles gut zu erreichen – die Strände, das Stadtzentrum, der Flughafen. Der Hollywood Boulevard war 2 Minuten entfernt, die U-Bahn 3 Minuten, der Walk of Fame 10 Minuten, ein Supermarkt 2 Minuten, erste Restaurants 2 Minuten, die ersten Bars knapp 10 Minuten, das Griffith Observatory (mit hervorragendem Blick auf Hollywood Hills und Wolkenkratzer) 15 Minuten, der Sunset Boulevard 8 Minuten, Kristen Stewards Haus 10 Minuten ? Also die Lage war schon der Wahnsinn. Auch Harika und Dhanush folgten uns nach LA (für 2 Tage), nahmen dafür zwei 6-stündige Autofahrten in Kauf. Wetter In den ersten Tagen in San José und San Francisco lagen die Höchsttemperaturen bei 21 bis 24 Grad. In Los Angeles ging es rauf auf 27 bis 33. Nachts kühlte es sich schön ab. Die Wassertemperatur lag in San Francisco bei 13-14 Grad, in LA bei 15-16. Ich ging also nur bis zu den Knien in den Pazifik, ansonsten in Pool und Jacuzzi. Verkehr Für die ersten 5 Tage hatten wir einen Mietwagen gebucht, mit Klima, Navi und Automatikschaltung. Es war ein Nissan. Vielleicht auch ein Toyota. Darauf kam es mir nicht an. Die ersten 3,5 Tage überließ ich Basti das Steuer und nahm es anschließend selbst in die Hand. Wir haben so günstig getankt wie noch nie in meinem Leben. 70 Cent pro Liter zahlten wir umgerechnet. Dabei ist Kalifornien der zweitteuerste Bundesstaat, was Benzin angeht. Auf Autobahnen mit teilweise 5-7 Spuren pro Richtung zu fahren (und ohne Rechtsfahrgebot) war gewöhnungsbedürftig, aber wir gewöhnten uns schnell daran. Die Fahrt auf dem Highway 1 von San José über Santa Cruz bis nach Half Moon Bay war ein absolutes Highlight. Gewöhnungsbedürftig war außerdem, dass wir an keiner Stelle schneller als 65 mph fahren durften, was 105 km/h entspricht. Kurios fand ich auch die Schilder, auf denen vor Radarkontrollen aus der Luft gewarnt wurde. Übrigens ist in Kalifornien gefühlt jedes 7. Auto ein Tesla, vor allem in San José. Wir waren nicht nur mit Auto und U-Bahn unterwegs, sondern laut Bastis Schrittzähler-App auch über 100 Kilometer zu Fuß. Geld / Steuern / Supermärkte Die Preise in Supermärkten/Bars/Restaurants werden Netto angegeben. Daran, dass später 8,5% Steuer aufgeschlagen werden, muss man sich erst mal gewöhnen. In den Restaurants/Bars ist es so, dass man seine Kreditkarte abgibt und anschließend (nachdem man sie zurückbekommen hat) auf die Rechnung schreibt, was man bezahlen möchte und wie viel davon Trinkgeld ist. Ein ulkiges System. Es kam in den 10 Tagen nur ein einziges Mal vor, dass ich die Kreditkarte nicht benutzen durfte: in einem Imbiss. Ansonsten konnte ich immer mit Karte zahlen. Sehr angenehm. Wenn man an der Supermarktkasse eine Tüte haben möchte, packt das Personal die Artikel ein – wie man es aus dem Fernsehen kennt. Außerdem kommt das Münz-Wechselgeld aus einem Automaten heraus geschossen wie in manchen deutschen Bussen. Bier Ich trank tschechisches, irisches, englisches, belgisches, österreichisches und australisches Bier sowie ein US-amerikanisches Craft Beer. Letzteres war mit Abstand das Schlechteste und übrigens auch das Teuerste mit 8,60 Dollar für einen halben Liter. Es schmeckte nach Pfirsich-Spülmittel. Alkohol ist recht teuer in San José und LA. In Restaurants zahlte ich nie weniger als 7 Dollar für einen halben Liter. Selbst im Späti zahlt man 4 Dollar. Dafür werden Wasser/Softdrinks/Kaffee nahezu überall gratis aufgefüllt. Spitze! Menschen Die Amis sind klasse! Die Mentalität der US-Amerikaner habe ich schon immer bewundert. Und ich dachte mir schon, dass in den deutschen Medien ein falsches Bild davon gezeichnet wird. Das wurde nun bestätigt. Von Ellenbogen-Mentalität und Waffen-Freaks war überhaupt nichts zu sehen. Es sind unheimlich freundliche und offene Menschen. Man kommt sofort mit jedem ins Gespräch. Häufig kam es vor, dass Menschen einfach auf der Straße im Vorbeilaufen gelächelt und „Hello“ gesagt haben. Auch beim Warten in der Warteschlange kommt man immer mit jemandem ins Gespräch. Großartig. In Deutschland ziehen die Leute eine Fresse und beschweren sich lautstark, dass es zu lange dauert. Die US-Amerikaner wissen, dass man Wartezeiten sinnvoll nutzen kann, um andere Menschen kennenzulernen. Ich habe in 10 Tagen niemanden jammern gehört. Das ist eine ganz andere Welt als Deutschland. Die Bedienungen in Bars/Restaurants oder die Supermarktkassierer sind selbst unter größtem Stress noch wahnsinnig nett. Einfach toll. Ich bin seit meiner Kindheit ein Amerika-Fan und werde es wohl ewig bleiben. Wie bereits ein ehemaliger Gouverneur Kaliforniens sagte: „Ich komme wieder!“ ? Tiere Ich erinnere mich an Robben, hunderte Seelöwen, einen Pelikan, eine Ratte, eine Hand voll schwarze Fuchs-Welpen, drei Schlangen (nur zur Unterhaltung der Touristen) und einige Schwanzflossen im Meer – einige Meter von den Badenden entfernt. Der Rettungsschwimmer eilte zum Wasser, machte dann allerdings einen entspannten Eindruck. Vermutlich waren es nur Delphine. Essen Von Italienisch, Mexikanisch, Thai, Chinesisch bis Amerikanisch war alles dabei. Das beliebteste Thai-Restaurant Hollywoods war ein Highlight. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war unschlagbar. Es gab Livemusik. Wir waren sogar zweimal dort. Sowohl in Restaurants, als auch in Supermärkten sind die Portionen erheblich größer als in Deutschland. Bei Tiefkühlpizzen bspw. scheinen Packungsgrößen von 600 bis 800 Gramm normal zu sein und nicht 320 bis 380 wie bei uns. (nein, wir haben keine Tiefkühlpizza gegessen). Aktivitäten Allein beim Aufzählen der Orte, die ich gesehen habe, werdet ihr vermutlich denken, es waren keine 10 Tage, sondern eher 20. Es ist kaum zu glauben, was man in Kalifornien alles erleben kann auf engstem Raum. San Francisco: Golden Gate Bridge, Alcatraz, Pier 39, Fisherman’s Wharf, Lombard Street, Coit Tower, Chinatown, Financial District, Union Square Los Angeles: Hollywood Boulevard, Sunset Boulevard, Rodeo Drive, Beverly Hills, Bel Air, Downtown, Chinatown, Griffith Obervatory, Farmers Market, Hollywood Hills, Santa Monica Pier, Venice Beach San José: Silicon Valley, Google Campus, Apple Campus, Stanford University Sonstige: Santa Cruz, Half Moon Bay, Muir Woods National Monument, Highway 1, Route 66 Da sind all die fantastischen Bars und Restaurants, in denen wir waren, noch gar nicht dabei. Außerdem fehlen z.B. die Hollywood-Studios, Malibu, Long Beach, ein Gun Club, Las Vegas, der Yosemite National Park, der Kings Canyon oder der Grand Canyon. Das hätte man theoretisch noch mitnehmen können, aber nicht in 10 Tagen. Beim nächsten Mal dann. Natürlich sind wir an zahlreichen Orten vorbeigekommen, die ich in irgendeinem Film gesehen hatte. Um ein Beispiel zu nennen: Wir sind (zufällig) 2x durch die Brücke gefahren, in der die legendäre Szene aus Back To The Future gedreht wurde (mit dem Hoverboard). Außerdem sind wir an rund 100 Häusern der Stars vorbeigefahren. Gesehen haben wir allerdings keinen, zumindest nicht wissentlich. Nur einmal war mir so, als wäre Sophie Turner an mir vorbeigelaufen. (Sie spielt Sansa Stark in Game of Thrones.) Häufig wusste ich gar nicht, wo ich hingucken sollte, weil überall Aufregendes passierte. Beispiel: Hollywood Boulevard. Man hat die Wahl, a) auf die Sterne auf dem Walk of Fame zu achten, b) in die Gesichter der Tausenden Menschen zu schauen – in der Hoffung, ein Prominenter ist darunter, c) zu den Seiten zu gucken und Architektur sowie Bars & Restaurants zu bewundern, d) auf die Ferraris, Lamborghinis und Maseratis zu achten, die vorbeifahren, e) sich die Shows anzusehen, die auf dem Gehweg abgehalten werden, f) nach Celebrity-Look-Alikes Ausschau zu halten, die sich dort alle paar Meter unters Volk mischen. Unternehmen Natürlich gab es auch Berührungspunkte mit zahlreichen Unternehmen, an denen ich beteiligt bin. Church & Dwight: Die Supermärkte sind voll von den Produkten. Die Regalplätze sind hervorragend, nämlich genau in Augenhöhe. Hermès International: Zwei Boutiquen sind mir aufgefallen – eine auf dem Rodeo Drive, die andere auf dem LA-Airport, der übrigens der siebtgrößte der Welt ist, was die Passagierzahlen betrifft. McCormick & Co.: Auch die Gewürze und Saucen McCormicks habe ich im Supermarkt entdeckt. Nestlé: Auch Nestlé-Produkte nehmen einigen Platz ein in den Regalen. Nike: Der Anteil der Nike-Schuhträger war wie erwartet noch größer als in Deutschland. Public Storage: Ich habe bestimmt 10 Anlagen gesichtet – fast alle in hervorragender Lage. Walt Disney: Mickey Mouse und zahlreiche weitere Disney-Figuren sind auf dem Walk of Fame spaziert und ich habe auch den Stern zu Ehren von Walt Disney entdeckt. Kosten Insgesamt hat der Spaß etwa 1.900 Euro gekostet. Fairerweise sollte man davon etwas abziehen, denn ich hätte ja auch zu Hause Unkosten gehabt (Essen, Getränke, Strom, Unternehmungen usw.), habe in den USA vier T-Shirts gekauft (hätte alternativ in Deutschland welche gekauft) und in den 1.900 Euro ist auch ein Geschenk enthalten sowie 2 Souvenirs. Im Dezember, als wir die Flüge buchten, hatte ich mir eine 1.500-Euro-Schmerzgrenze gesetzt. Kurz vorm Urlaub dachte ich mir dann, dass die 2.000-Euro-Marke vermutlich reißen würde. Nie zuvor hatte ich mehr als 700 Euro für einen Urlaub ausgegeben. Heute sage ich: Ich hätte auch 2.500 Euro gezahlt. Ich kann kaum in Worte fassen, wie toll dieser Urlaub war. Da einige der Kosten bereits im Dezember (Flüge) und April (Mietwagen, Stadtrundfahrt) angefallen waren, wäre es durchaus möglich, dass meine Serie von 15 aufeinander folgenden Monaten mit steigendem Nettovermögen diesen Monat noch nicht zu Ende geht. Das wird sich in 5 Tagen zeigen und ist natürlich von der Entwicklung der Aktienmärkte abhängig. Das wäre natürlich das Sahnehäubchen: Man fliegt für 10 Tage in die USA, lässt dort alle Fünfe gerade sein, was die Ausgaben angeht, und hat am Monatsende trotzdem mehr Geld auf dem Konto als einen Monat zuvor.
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